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Dr. NüchelDermatologie & Allergologie

Impedanzspektroskopie (Nevisense®)

Bleibt nach Auflichtmikroskopie und Ultraschall unklar, ob ein Muttermal gutartig ist, kann die elektrische Impedanzspektroskopie (Nevisense®) eine objektive Zusatzinformation liefern. Die Messung ist unblutig und nahezu schmerzfrei; Sie spüren in der Regel lediglich den Kontakt des Sensors auf der Haut.

Überblick

Trotz computergestützter Bildanalyse (FotoFinder®) und 20-MHz-Ultraschall bleibt bei manchen Muttermalen und anderen Hauttumoren eine Unsicherheit, ob es sich um eine bösartige Veränderung oder deren Vorstufe handeln könnte. Für diese Fälle setzen wir die elektrische Impedanzspektroskopie (Nevisense®) ein, ein am Karolinska-Institut in Stockholm entwickeltes Untersuchungsverfahren, das ohne Schnitt und ohne Blutentnahme auskommt.

Gesundes Hautgewebe unterscheidet sich von atypischem, erkranktem Gewebe in Größe, Form, Ausrichtung und Dichte der Zellen sowie im Aufbau der Zellmembranen. Diese Unterschiede wirken sich darauf aus, wie die Zellen elektrischen Strom leiten und speichern. Die messbare Eigenschaft dahinter heißt elektrische Impedanz. Wird ein Muttermal mit sehr schwachen elektrischen Signalen untersucht, lassen sich am Impedanzmuster Veränderungen erkennen, die auf schwarzen oder hellen Hautkrebs und deren Vorstufen hinweisen können.

Der Nevisense®-Klassifikator gibt das Ergebnis als Wert auf einer Skala von 0 bis 10 aus. Der Wert beschreibt den Grad der gemessenen Zellveränderung: Je höher er ausfällt, desto ausgeprägter ist die gemessene Veränderung. Er ist keine Diagnose für sich, sondern eine Zusatzinformation, die wir zusammen mit dem klinischen Bild, der Auflichtmikroskopie und dem Ultraschall bewerten. Ziel ist es, unnötige Entfernungen möglichst zu vermeiden.

Anwendungsgebiete

  • Muttermale und andere Hauttumoren, die nach Auflichtmikroskopie (FotoFinder®) und 20-MHz-Ultraschall unklar bleiben
  • Verdacht auf Vorstufen oder Frühformen von schwarzem Hautkrebs (malignes Melanom)
  • Verdacht auf Vorstufen oder Frühformen von hellem Hautkrebs
  • Hautveränderungen im Gesicht, wo eine Narbe besonders belasten kann
  • Hautveränderungen in Körperregionen mit ungünstiger Narbenheilung, etwa im Bereich der Brust
  • Bekannte Neigung zu schlechter Narbenheilung
  • Abklärung in der Schwangerschaft
  • Stärker pigmentierte Haut (Hauttyp IV und dunklere Hauttypen), bei der andere Verfahren an Grenzen stoßen können

Ablauf

  1. Einordnung des Befundes

    Zunächst beurteilen wir das Muttermal wie gewohnt: klinisch, mit der digitalen Auflichtmikroskopie (FotoFinder®) und bei Bedarf mit dem 20-MHz-Ultraschall. Bleibt danach eine Unsicherheit, schlagen wir die Impedanzspektroskopie als ergänzende Messung vor.

  2. Messung mit dem Sensor

    Ein Sensor wird auf das Muttermal aufgesetzt und sendet sehr schwache elektrische Signale in die Haut. Sie sind so gering, dass Sie in der Regel lediglich den Kontakt des Sensors spüren. Eine Betäubung ist nicht erforderlich; es wird nichts geschnitten und kein Blut entnommen.

  3. Auswertung auf der Skala von 0 bis 10

    Das Gerät wertet das gemessene Impedanzmuster aus und gibt einen Wert zwischen 0 und 10 an. Je höher der Wert, desto ausgeprägter ist die gemessene Zellveränderung. Das Ergebnis liegt innerhalb von etwa 10 Minuten vor.

  4. Gemeinsame Entscheidung

    Wir besprechen den Messwert mit Ihnen im Zusammenhang mit den übrigen Befunden. Daraus ergibt sich, ob eine Verlaufskontrolle ausreicht oder ob wir die Entfernung mit feingeweblicher Untersuchung empfehlen.

Weiterführende Seiten

Was Sie erwartet

  • Die Untersuchung ist nahezu schmerzfrei; spürbar ist in der Regel lediglich der Kontakt des Sensors auf der Haut.
  • Sie ist unblutig; es entsteht keine Wunde.
  • Das Ergebnis liegt innerhalb von etwa 10 Minuten vor.
  • Die Messung ist auch in der Schwangerschaft möglich.
  • Sie lässt sich auch auf stärker pigmentierter Haut anwenden, etwa bei Hauttyp IV und dunkleren Hauttypen.
  • Die Impedanzspektroskopie ergänzt Auflichtmikroskopie und Ultraschall; sie ersetzt sie nicht.
  • Die Impedanzspektroskopie ist in der Regel eine Selbstzahler- bzw. IGeL-Leistung; den Rahmen besprechen wir vorab mit Ihnen.

Risiken & Hinweise

  • Die Messung selbst ist nichtinvasiv und ohne nennenswerte Risiken.
  • Kein Diagnoseverfahren bietet eine 100-prozentige Sicherheit. Ein niedriger Wert schließt eine bösartige Veränderung nicht in jedem Fall aus, ein hoher Wert beweist sie nicht. Der Wert wird deshalb immer zusammen mit dem klinischen Bild beurteilt.
  • Bei einem auffälligen Ergebnis oder fortbestehendem Verdacht kann eine operative Entfernung mit feingeweblicher (histologischer) Untersuchung notwendig sein; nur sie sichert die Diagnose.
  • Die gerätegestützte Auswertung dient der ärztlichen Entscheidungsunterstützung und ersetzt nicht die ärztliche Beurteilung.
  • Nicht jede Hautveränderung eignet sich für die Messung; ob sie in Ihrem Fall sinnvoll ist, klären wir bei der Untersuchung.

Was die Messung leisten soll

Die Impedanzspektroskopie soll die Entscheidung für oder gegen eine Entfernung auf eine breitere Grundlage stellen. Die Ziele sind:

  • eine objektive Zusatzinformation neben der ärztlichen Beurteilung
  • weniger Entfernungen gutartiger Muttermale und damit weniger Eingriffe
  • weniger Narben, was besonders im Gesicht, im Bereich der Brust und bei bekannter Neigung zu schlechter Narbenheilung ins Gewicht fällt
  • das Erkennen von Vorstufen und Frühformen von schwarzem und hellem Hautkrebs

Häufige Fragen

Was genau misst die Impedanzspektroskopie?
Wie das Gewebe eines Muttermals sehr schwache elektrische Signale leitet und speichert. Gesunde und veränderte Zellen unterscheiden sich in Größe, Form, Ausrichtung, Dichte und Membranaufbau, und das spiegelt sich in der elektrischen Impedanz wider. Aus dem gemessenen Impedanzmuster leitet der Klassifikator einen Wert ab.
Wie ist der Wert auf der Skala von 0 bis 10 zu lesen?
Der Wert steht für den Grad der gemessenen Zellveränderung: Je höher er ist, desto ausgeprägter ist die gemessene Veränderung; ein niedriger Wert spricht für wenig Veränderung. Was das für Ihr Muttermal bedeutet, besprechen wir mit Ihnen im Zusammenhang mit den übrigen Befunden. Der Wert allein ist keine Diagnose.
Tut die Untersuchung weh?
In der Regel nicht. Die elektrischen Impulse, die der Sensor in die Haut sendet, sind so gering, dass Sie meist lediglich den Kontakt des Sensors spüren. Es wird nichts geschnitten und kein Blut entnommen.
Wie lange dauert es, bis das Ergebnis vorliegt?
Das Ergebnis liegt innerhalb von etwa 10 Minuten vor und wird anschließend mit Ihnen besprochen.
Ist die Messung in der Schwangerschaft und bei dunkler Haut möglich?
Ja. Die Impedanzspektroskopie ist auch in der Schwangerschaft einsetzbar. Sie lässt sich zudem auf stärker pigmentierter Haut anwenden, etwa bei Hauttyp IV (olivfarbener Teint, dunkle Augen und Haare) und dunkleren Hauttypen, bei denen viele andere Diagnoseverfahren an ihre Grenzen kommen.
Ersetzt die Messung die Entfernung eines verdächtigen Muttermals?
Nein. Sie liefert eine Zusatzinformation für die Entscheidung. Bleibt der Verdacht bestehen oder ist der Messwert auffällig, empfehlen wir die Entfernung mit feingeweblicher Untersuchung; nur sie sichert die Diagnose. Umgekehrt kann ein unauffälliges Ergebnis zusammen mit den übrigen Befunden dafür sprechen, ein Muttermal zu beobachten statt zu entfernen.