Venerologie – sexuell übertragbare Infektionen
Viele sexuell übertragbare Infektionen zeigen sich an Haut und Schleimhaut. Die Venerologie gehört deshalb zum dermatologischen Fachgebiet und ist Teil unseres Leistungsspektrums.
Überblick
Die Venerologie befasst sich mit Infektionen, die beim Sex übertragen werden; gebräuchlich sind auch die Abkürzung STI (sexually transmitted infections) und der ältere Begriff Geschlechtskrankheiten. Sie gehört zum dermatologischen Fachgebiet, weil sich viele dieser Infektionen zuerst an Haut und Schleimhaut zeigen: als Rötung, Bläschen, Knötchen, Warze oder wunde Stelle. Ein Teil verläuft mit wenig oder ganz ohne Beschwerden und fällt nur bei einer Untersuchung auf.
Anlass für einen Termin kann eine Veränderung sein, die Sie an sich bemerkt haben. Ebenso kann es der Wunsch nach Klarheit sein, nachdem eine Ansteckung möglich war, auch ohne jede Beschwerde. Beides ist ein sachlicher medizinischer Grund für einen Termin.
Ein Punkt vorweg, weil er zeitkritisch ist: Liegt ein Risikokontakt erst wenige Stunden oder Tage zurück, warten Sie damit bitte nicht auf einen Termin. Eine vorbeugende Behandlung nach möglicher HIV-Übertragung (Postexpositionsprophylaxe) muss so früh wie möglich beginnen und kommt nach 72 Stunden nicht mehr infrage. Wenden Sie sich in dieser Lage sofort an eine Notaufnahme oder an eine auf HIV spezialisierte Einrichtung. [PLATZHALTER: Leitet die Praxis eine Postexpositionsprophylaxe selbst ein, oder an welche Stelle verweist sie dafür?]
Für das Gespräch und für alles, was dabei zur Sprache kommt, gilt die ärztliche Schweigepflicht. Sie bindet ebenso alle Mitarbeitenden der Praxis.
Anwendungsgebiete
- Veränderungen an Haut oder Schleimhaut im Genital- oder Analbereich oder am Mund, etwa Bläschen, Knötchen, Warzen oder wunde Stellen
- Ausfluss, Brennen beim Wasserlassen, Juckreiz oder Schmerzen in diesem Bereich
- Hautausschlag oder Lymphknotenschwellung ohne erkennbare Ursache
- Wunsch nach Abklärung, nachdem eine Ansteckung möglich war, auch ohne Beschwerden
- Eine Partnerin oder ein Partner hat von einer festgestellten Infektion berichtet
- Kontrolle nach einer bereits behandelten Infektion
- Fragen zur Vorbeugung, etwa zu Schutzimpfungen gegen einzelne Erreger
Ablauf
Gespräch
Zu einer venerologischen Abklärung gehört zuerst ein Gespräch. Sie schildern, worum es geht; für die Einordnung sind einige Angaben nötig: seit wann etwas besteht, wo es sich zeigt, und wie lange ein möglicher Kontakt zurückliegt. Der zeitliche Abstand ist dabei besonders wichtig, weil er mitbestimmt, welche Untersuchung zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt aussagekräftig ist.
Untersuchung von Haut und Schleimhaut
Zur Beurteilung gehört die Inspektion von Haut und Schleimhaut an der betroffenen Region. Einzelne Infektionen zeigen Zeichen an Stellen, die von der Eintrittspforte weit entfernt liegen, etwa als Ausschlag am Rumpf oder an Handflächen und Fußsohlen; deshalb kann es sinnvoll sein, die übrige Haut einzubeziehen. [PLATZHALTER: Wie weit reicht die körperliche Untersuchung beim venerologischen Termin, wird regelhaft die gesamte Haut mit untersucht, und steht dafür eine Vergrößerungsoptik zur Verfügung?]
Proben und Labor
Je nach Fragestellung kommen ein Abstrich, eine Urinprobe oder eine Blutuntersuchung in Betracht. Welches Verfahren sinnvoll ist, richtet sich nach dem vermuteten Erreger und nach dem Zeitpunkt. [PLATZHALTER: Welche Untersuchungen und welche Erreger deckt die venerologische Sprechstunde in der Praxis ab, und erfolgt die Labordiagnostik im Haus oder in einem Fremdlabor?]
Befund und Behandlung
Zum Abschluss der Abklärung wird das Ergebnis mit Ihnen besprochen und eingeordnet: was es bedeutet und was es nicht bedeutet. Die Behandlung richtet sich nach dem Erreger: bakterielle Infektionen werden in der Regel mit Antibiotika behandelt, bei viralen Infektionen kommen je nach Erreger antivirale Arzneimittel oder eine örtliche Behandlung infrage. [PLATZHALTER: Welche Behandlungen erfolgen in der Praxis selbst, wer führt eine Kontrolluntersuchung nach Behandlungsende durch, wann wird an eine andere Fachrichtung oder eine spezialisierte Einrichtung überwiesen, und werden Schutzimpfungen gegen einzelne Erreger angeboten?]
Partnerinnen und Partner, Kontrolle
Bei einem Teil der Infektionen ist es medizinisch sinnvoll, dass Partnerinnen und Partner sich ebenfalls untersuchen lassen, auch wenn sie keine Beschwerden haben. Sonst kann eine Infektion nach erfolgreicher Behandlung erneut übertragen werden. Bis Behandlung und Kontrolle abgeschlossen sind, sollte auf Sexualkontakt verzichtet oder konsequent geschützt werden; nach einer einmaligen Gabe gilt das noch einige Tage darüber hinaus, der genaue Zeitraum richtet sich nach dem Erreger und nach der Art der Behandlung. Für einzelne Erreger gehört eine Kontrolluntersuchung nach Behandlungsende zum üblichen fachlichen Vorgehen.
Was Sie erwartet
- Ein venerologischer Termin beginnt üblicherweise mit einem Gespräch. Sie entscheiden, was Sie erzählen möchten; Fragen können Sie sich vorab notieren und mitbringen.
- Wie lange ein Ergebnis auf sich warten lässt, hängt vom Untersuchungsverfahren ab. [PLATZHALTER: Welche Ergebniszeiten sind realistisch, gibt es Untersuchungen mit Ergebnis am selben Tag, oder laufen alle Proben über ein Fremdlabor?]
- Liegt ein möglicher Kontakt erst kurz zurück, kann eine Wiederholung der Untersuchung nötig sein: je nach Erreger nach einigen Wochen, für einzelne erst nach etwa drei Monaten.
- Bringen Sie bitte vorhandene Befunde früherer Untersuchungen oder Behandlungen mit sowie eine Liste der Medikamente, die Sie einnehmen.
- Ob die gesetzliche Krankenkasse die Kosten einer Untersuchung trägt, hängt vom Anlass und vom Verfahren ab.
- [PLATZHALTER: Gibt es für venerologische Anliegen eine eigene Sprechzeit oder einen gesonderten Terminweg, ist eine Untersuchung ohne Namensnennung oder als Selbstzahlerleistung möglich, und auf welchem Weg werden Patientinnen und Patienten vorab über anfallende Kosten informiert?]
Risiken & Hinweise
- Ein unauffälliges Ergebnis gilt für den Zeitpunkt der Untersuchung. Kurz nach einem möglichen Kontakt schließt es eine frische Infektion nicht aus, weil manche Erreger erst nach Tagen, andere erst nach Wochen bis Monaten nachweisbar werden (diagnostisches Fenster).
- Kein Untersuchungsverfahren erfasst alle Erreger. Welche Untersuchungen sinnvoll sind, ergibt sich aus dem Gespräch und dem Befund.
- Bleibt eine Infektion unerkannt, kann sie fortschreiten und weitergegeben werden, auch ohne Beschwerden. Deshalb ist eine frühe Abklärung sinnvoll.
- Manche Beschwerden können nicht auf einen späteren Termin warten. Fieber zusammen mit Schmerzen im Unterbauch oder am Hoden, eine rasch zunehmende Rötung oder Schwellung sowie ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl gehören umgehend ärztlich untersucht, außerhalb der Sprechzeiten in einer Notaufnahme.
- Abstrich und Blutentnahme sind kurz unangenehm; nach einer Blutentnahme ist ein kleiner Bluterguss möglich.
- Arzneimittel zur Behandlung können Nebenwirkungen haben und mit anderen Medikamenten in Wechselwirkung treten. Bitte nennen Sie uns bestehende Erkrankungen, Allergien, eine Schwangerschaft oder Stillzeit und alle Medikamente, die Sie einnehmen. Eine begonnene Behandlung sollte wie verordnet zu Ende geführt werden.
- Für einzelne Infektionen sieht das Infektionsschutzgesetz eine Meldung an die zuständige Stelle vor; bei einem Teil davon erfolgt sie ohne Namensnennung. Ob das für einen Befund gilt, wird im Gespräch erklärt.
- Über die für Sie geltenden Risiken, Gegenanzeigen und Wechselwirkungen klären wir Sie vorab persönlich auf.
Vorbeugung
Neben der Abklärung im Krankheitsfall gibt es Möglichkeiten, einer Ansteckung vorzubeugen.
- Kondome senken das Risiko einer Übertragung. Gegen alle Erreger schützen sie nicht gleich gut: Infektionen, die über Hautkontakt außerhalb des bedeckten Bereichs weitergegeben werden, können trotz Kondom übertragen werden.
- Für die Vorbeugung einer HIV-Infektion gibt es die Präexpositionsprophylaxe (PrEP): die ärztlich begleitete Einnahme von Medikamenten vor einem möglichen Kontakt. Sie gehört seit 2019 für Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung.
- PrEP und die zeitkritische Postexpositionsprophylaxe nach einem Risikokontakt betreffen ausschließlich HIV. Vor anderen sexuell übertragbaren Erregern schützen sie nicht.
- [PLATZHALTER: Verordnet und begleitet die Praxis eine Präexpositionsprophylaxe (PrEP), oder wird dafür weiterverwiesen?]
Häufige Fragen
- Ich habe keine Beschwerden. Ist eine Untersuchung trotzdem sinnvoll?
- Das kann sie sein. Ein Teil der sexuell übertragbaren Infektionen verläuft mit wenig oder ganz ohne Beschwerden und fällt nur bei einer Untersuchung auf. Ob und welche Untersuchung in Ihrem Fall sinnvoll ist, hängt vom Anlass und vom zeitlichen Abstand zu einem möglichen Kontakt ab.
- Wie lange nach einem möglichen Kontakt ist eine Untersuchung aussagekräftig?
- Das ist von Erreger zu Erreger verschieden und reicht von wenigen Tagen bis zu etwa drei Monaten. Für einzelne Erreger gilt ein unauffälliges Ergebnis erst rund sechs Wochen nach dem Kontakt als verlässlich, für andere erst nach etwa drei Monaten. Wird zu früh untersucht, kann das Ergebnis unauffällig ausfallen, obwohl eine Infektion vorliegt; deshalb ist eine zweite Untersuchung nach dem passenden Abstand oft Teil der Abklärung.
- Wer erfährt von meinem Befund?
- Für alles, was in der Praxis besprochen und festgestellt wird, gilt die ärztliche Schweigepflicht; sie bindet ebenso die Mitarbeitenden. Ohne Ihre Einwilligung geben wir keine Auskunft an Angehörige, an Partnerinnen und Partner oder an Arbeitgeber. Eine gesetzliche Ausnahme sind die Meldepflichten nach dem Infektionsschutzgesetz, die für einzelne Infektionen gelten und bei einem Teil davon ohne Namensnennung erfolgen.
- Müssen Partnerin oder Partner mitbehandelt werden?
- Bei einem Teil der Infektionen ist das medizinisch sinnvoll, auch wenn dort keine Beschwerden bestehen. Sonst kann die Infektion nach einer erfolgreichen Behandlung erneut übertragen werden. Wer untersucht werden sollte und für welchen Zeitraum das gilt, richtet sich nach dem Erreger.
- Ich bin unsicher, ob mein Anliegen hierher gehört.
- Sie können damit zu uns kommen. Viele Veränderungen an Haut und Schleimhaut in diesem Bereich haben andere Ursachen, etwa ein Ekzem oder eine mechanische Reizung. Diese Einordnung ist Teil der Untersuchung.
- Werde ich in der Praxis behandelt oder überwiesen?
- Das richtet sich nach dem Erreger und danach, welche Behandlung er erfordert. [PLATZHALTER: Welche sexuell übertragbaren Infektionen behandelt die Praxis selbst, und wann wird überwiesen?]